28. März 2017: Folkmeeting

Tobl RettigSeit langem ist die Gitarre das verbindende Instrument der weltweiten Populärmusik. Dass „eine Gitarre, eine Stimme“ eine unerschöpfliche Vielfalt von Stilen und tiefe Einblicke in die Seele der Vortragenden ermöglicht, das war die zentrale Erkenntnis des Frühjahrs-Folkmeetings des Folkclub PRISMA. Und: Zum vielleicht ersten Mal gab es beim Folkmeeting ausschließlich von den Vortragenden selbst geschriebene Musik und Texte zu hören – von hier heimischen Musikern unterschiedlichster Herkunft!

Den Anfang machte „Tobl. M. Van Dominiksen“, bürgerlich Tobias Rettig. Tobl bezeichnet seine Musik als „Singer-Songwriter-Schnickschnack“, den er – heutzutage recht ungewöhnlich – auf der Konzertgitarre begleitet. Mit angerauhter, warmer Stimme präsentierte Tobl Titel wie „Aims we never achieve“, „Wegwerfgesellschaft (oder Pforzheim und der Rest)“ und „Wach auf“. Titel, die zeigten, da ist einer mit klugen Gedanken, Leidenschaft und Talent am Werk.

Danach betrat ein wohlbekanntes Gesicht die Bühne: Antoni Matysek bereichert die süddeutsche Folkszene bereits seit Jahrzehnten mit seinem virtuosen Gitarrenspiel. Auf seiner Konzertgitarre zupfte Antoni filigrane instrumentale Eigenkompositionen, bei denen die Titel „Im Garten“, „Der Bach“ oder „Ich will Sonne“ Programm waren.

Als nächstes war mit James Neilson Graham ein weitgereister und zuletzt in Calw heimisch gewordener Musiker an der Reihe. Auch James brachte ausschließlich eigene Songs zu Gehör. Und welche Preziosen waren das! Mit sehr persönlichen Texten und einem Gitarrenstil, der English Folk mit reichlich „Music Hall“ Reminiszenzen verband, entführte James das Publikum in eine Welt, die mal bedrückend nah („I’m crying“), und mal in sentimental entrückter Ferne lag („Just can’t make up my mind“).

Die einzige weibliche Interpretin des Abends war die ursprünglich aus St. Petersburg stammende Irina Kozlova. Schon rein äußerlich eine außergewöhnliche Erscheinung, versprühte Irina ihren Charme mit in typischem Mollton gebetteten russischsprachigen Balladen über „Unerwartete Begegnungen“, „Reiter“ und andere Stücke, die sich, wie die Musikerin lächelnd zugab, am Ende „doch immer um die Liebe drehen“.

Den Abschluss des Folkmeetings übernahm der sympathische Bart Dewijze. Bart, gebürtiger Belgier und im Berufsleben Leiter des Pforzheimer Jugendhauses, erwies sich als einfühlsamer Songschreiber und Interpret, als polyglotter sowieso. Mit Liedern von Heimweh, dem Traum vom einfachen Leben („Easier“) und einem abschließenden „Ride with the Devil“ entließ Bart das Publikum aus einem intensiven, internationalen und sehr persönlich gefärbten Folkmeeting. Das haben wir selbst im Folkclub PRISMA nicht alle Tage!

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14. März 2017: Peter Finger

Ein Fest für Gitarrenfreunde Liebhaber von Musik, die Herz und Kopf gleichermaßen erfreut, war der Auftritt von Peter Finger, der erstmals im 360° Gasometer „Hof hielt“. Auch die PK-Rezensentin war sichtlich beeindruckt von der Finger-Fertigkeit

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7. Februar 2017: Biber Herrmann

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Mit Künstlern ist das so eine Sache: Einerseits sollten sie „verrückt“ genug sein, um Originelles zu erschaffen. Andererseits sollten sie eine gewisse Erdung mitbringen, um ihr „normales“ Publikum mitreißen zu können. Beides zusammen könnte man als „Mojo“ bezeichnen. Der Bluesman Biber Herrmann war „Mojo“ pur beim Prisma-Konzert im Pforzheimer 360° Gasometer.

Authentisch, aber nie anbiedernd an die Vorbilder aus den USA, sang er mit rauem Timbre Bluesklassiker von Robert Johnson, Henry Thomas, Blind Willie McTell und anderen. Daneben gab Biber Herrmann Einblicke in seinen eigenen, skurrilen Kosmos: Songs über verpeilte Genies („Angels in the rain“), zwischenmenschliche Kleinkriege („Rain of Love“, von einer musikalischen Kettensäge inspiriert) oder russische Heiratsschwindlerinnen („Soviet Baby Blues“).

Was der Fingerpicker Biber Herrmann aus seiner am Bühnenrand aufgereihten Gitarrensammlung holte, kann man getrost als sensationell bezeichnen. Beim Stück „Got my Mojo working“ erläuterte er seine beeindruckende Spieltechnik: Die linke Ferse stampft die Downbeats, der rechte Daumen zupft die Bassläufe, während die restlichen neun Finger in rasendem Tempo Akkorde und Melodielinien greifen und zupfen. Und weil ein Profi wie Biber damit längst nicht ausgelastet ist, singt er noch dazu oder holt lässige Riffs aus der umgehängten Bluesharp. So richtig Zucker gab’s für den Affen beim Stück „Just wanna make love to you“, welches Biber mit ekstatischen Flamenco-Einsprengseln und Chatschaturjans „Säbeltanz“ vermengte.

Für die Verschnaufpausen zwischen den Blues-Explosionen holte Biber Herrmann seine Begleiterin Anja Sachs auf die Bühne. Die sympathische Sängerin setzte mit reiner Stimme und Song-Perlen wie „Sweet sunny south“, „Hard times“ und der gemeinsam gesungenen Zugabe „Leaving Town Blues“ weitere Highlights an einem begeisternden Konzert-Abend.

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24. Januar 2017: Sammy Vomáčka Trio

Sammy Vomáčka TrioEin Abend mit guten Freunden“: Selten passte dieses Motto besser zu Musikern und Musik als am vergangenen Dienstag. Der gebürtige Prager und Wahl-Saarländer Sammy Vomáčka gehört seit den frühen 1970er Jahren zu den regelmäßigen Gästen auf der Pforzheimer Prisma-Bühne.

Verschaffte sich Sammy zunächst vor allem einen Ruf als Folk- und Ragtime-Virtuose auf der akustischen Gitarre, hat er sich später mehr und mehr der Interpretation populärer Jazz-Standards, vor allem aus Swing und Bebop, verschrieben. So konnte das Prisma-Publikum mit „All the things you are“, „Stella by Starlight“ „My funny Valentine“, „Yardbird Suite“ oder – als Zugabe – den jahrezeitlich etwas verfehlten „Autumn Leaves“ zahlreiche gute Bekannte begrüßen, die auch weniger jazz-erfahrenen Ohren vertraut sind.

Dem Sammy Vomáčka Trio mit Sammys dunkelsamtenen Gitarrenklang, Stefan Engelmann am Kontrabass und Jean-Marc Robin am Schlagzeug gelang es dennoch ein ums andere Mal, den altgedienten Stücken frisches Leben einzuhauchen. Souverän im Zusammenspiel und ihre beeindruckende Spieltechnik immer im Dienst der Musik stellend, hatten sie das Publikum vom ersten Ton an auf ihrer Seite. Immer wieder faszinierend anzusehen, wie Sammy mit seiner ungewöhnlichen Fingerpicking-Technik perlende Soli aus seiner Gibson Archtop-Gitarre „streichelt“. Dabei duldete der Meister hinsichtlich Stimmung, Zusammenspiel und Sound keine Kompromisse: „Ich trauere manchmal den Zeiten nach, als ich 13 war. Da habe ich auf einer fürchterlichen Gitarre gespielt, die sich ständig vestimmte – und es machte mir nichts aus!“ In dieser Hinsicht hatten weder Musiker noch Publikum Grund zum Klagen – die Stimmung war vom ersten bis zu letzten Ton großartig!

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10. Januar 2017: Duo Cassard

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„Wann immer es geht, spielen wir unverstärkt“, verkündete Christoph Pelgen gleich zu Beginn des PRISMA-Jahresauftaktkonzerts 2017. Dank der transparenten Akustik des 360° Gasometers, ihrer kräftigen Stimmen und nicht zuletzt des vielseitigen, durchsetzungsfähigen Instrumentariums hatten die beiden Musiker des Duo Cassard leichtes Spiel, auch ohne Elektronik bunte Klanglandschaften ins Auditorium zu zaubern.

Man muss leider sagen, dass das Konzert schon ein paar Besucher mehr verdient gehabt hätte. Schmuddelwetter und die anhaltende Erkältungswelle hielten wohl manchen davon ab, den Weg in den Gasometer zu finden. Sei’s drum, die anwesenden Zuhörer und die beiden bestens aufgelegten Musiker hatten dennoch reichlich Spaß. „Wie schön, nach Wochen voller Advents- und Weihnachtskonzerte wieder Tanzmusik machen zu dürfen“, freute sich Christoph. Und davon gab es reichlich: Johannes Mayr war mit seiner Nyckelharpa für den skandinavischen Touch zuständig, während Christoph das Publikum mit einer schier unendlichen Fülle von Sackpfeifen, Blas- und Zupfinstrumenten verwöhnte. A propos Verwöhnen: Highlights der Cassard-Konzerte sind stets die frankophonen „Galanterien“, nur schwach lyrisch verschleierter „Schweinkram“ unterhaltsamster Sorte – erst recht, wenn Christoph Geschichten wie die vom „Chasseur fatigué“, dem müden Jägersmann, mit schelmischem Lächeln ins Deutsche übersetzte.

Wie gewohnt gingen die zwei Stunden mit Cassard wie im Fluge vorbei, bevor die beiden das Publikum mit ihrem traditionellen Abschiedsstück „Adieu les filles de mon pays“  in die kalte Januarnacht verabschiedeten.

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6. Dezember 2016: Matching Ties

dsc04982Vom „Raggle Taggle Gypsy“ bis zum „Little Drummer Boy“ reichte das Panoptikum folkiger Gestalten: Mit viel Spielfreude und Nikolaus-Schmankerln bescherten die Matching Ties am Dienstag das PRISMA-Publikum im 360° Gasometer.

Paul Stowe und Trevor Morriss, die beiden Gründungsmitglieder, feiern heuer ihr 30. gemeinsames Bühnenjahr. Folgerichtig gab es beim PRISMA-Gastspiel eine Art „Best of“ der Bandgeschichte zu hören. Der US-Amerikaner Paul Stowe und der Londoner Trevor Morriss leben seit vielen Jahren im Münchener Umland – ein Umstand, der sich mittlerweile am amerikanisch-alpenländischen Zungenschlag von Pauls Moderationen ablesen lässt.

Im Lauf des gut zweistündigen Konzerts wechselten sich bekannte und weniger bekannte Folkballaden ab mit temporeichen Jigs, Reels, Hornpipes und Bluegrass-Instrumentals. Insbesondere Trevor beeindruckte dabei mit der lässigen Präzision seiner rasanten Melodieläufe auf Mandoline, Bouzouki und Gitarre. Im zweiten Teil des Konzertes ergänzte Ex-Bandmitglied Claudio Della Penna aus Stuttgart mit seinem Kontrabass den Sound der Matching Ties. Passend zum 6. Dezember durften auch einige weihnachtliche Klassiker nicht fehlen: vom erwähnten Trommler über „I saw 3 ships“ und Fairytale of New York“ bis zu „White Christmas“ – ein angemessener Ausklang für ein ereignisreiches PRISMA-Konzertjahr 2016.

Am 20. Dezember beschließt der Folkclub PRISMA mit einem geselligen Play & Singalong im Bistro des 360° Gasometers endgültig das Jahr, bevor es bereits am 10. Januar 2017 mit dem Folkduo „Cassard“ schon wieder mit Schmackes zur Sache geht!

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29. November 2016: Folkmeeting

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Schon lange war es ein Herzenswunsch der PRISMA-Macher, dass die Presse endlich mal auch darüber berichtet, was für tolle Musiker die lokale Folkszene abseits erfahrener Bühnenacts zu bieten hat. Für Hobbymusiker und neue Formationen gibt es darum seit vielen Jahren das PRISMA-Folkmeeting, unsere Offene Bühne. Am vergangenen Dienstag waren wir darum besonders glücklich, gleich die Vertreter beider Lokalzeitungen im Publikum sitzen zu haben. Und – wen wundert’s – Frau Roth und Herr Roller hatten sichtlich Spaß an den abwechslungsreichen Darbietungen und der guten Stimmung auf der Bühne und im Auditorium. Darum verlieren wir hier gar nicht viele Worte, sondern lassen die Profis urteilen! Oben der PK-Artikel und hier der Link zur PZ-Rezension: http://www.pz-news.de/kultur_artikel,-%E2%80%9EMitmachen-kann-jeder%E2%80%9C-beim-Folkclub-%E2%80%9EPrisma%E2%80%9C-_arid,1136528.html

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