20. September 2016: Dagmar Dümchen & Eduardo Yáñez Loayza

dsc04825Zur Eröffnung der zweiten Prisma-Saison im Gasometer hatten wir uns eine langjährige Wegbegleiterin eingeladen: Dagmar Dümchen hat uns über die Jahre, in denen sie mit ihrer Musik in Bolivien zu so etwas wie einer nationalen Ikone geworden ist, immer die Treue gehalten. Die Sängerin und Gitarristin hat aus ihrer Pforzheimer Zeit noch viele Freunde in der Goldstadt. So war es kaum verwunderlich, dass das erste Gastspiel der Deutschlandtournee für Dagmar und ihren musikalischen und Lebensbegleiter Eduardo Yáñez Loayza zu einem intensiven „Familientreffen“ wurde.

Ihre Partnerschaft mit dem bolivianischen Gitarrenvirtuosen Eduardo Yáñez Loayza ist für Dagmars zumeist melancholische Lieder aus dem Repertoire des Nueva Canción ein spektakulärer Gewinn. Sein gefühlvolles Spiel bildet das Fundament, auf der sich die warme Stimme von Dagmar aufs schönste entfalten kann. Gebannt lauschten die Zuhörer im nahezu ausverkauften Gasometer-Auditorium den Liedern und Zwischenmoderationen von Liebe, Leid und Hoffnung. In den rund 90 Minuten des Konzertes, das die Musiker ohne Pause spielten, erklangen Sücke aus der Feder bzw. aus dem Repertoire vorwiegend weiblicher Künstlerinnen wie Mercedes Sosa,Violeta Parra oder auch Matilde Casazola. Deren „El regreso“, das vom Heimkommen nach Bolivien erzählt, war denn auch einer der Höhepunkte des Abends. Natürlich durften auch einige Instrumentalstücke nicht fehlen, bei denen Eduardo alle Register seines Könnens ziehen konnte.

Den Abschluss des Abends bildeten begeisterter Applaus und zwei Zugaben, darunter der Sosa-Klassiker „Todo cambia“, bei dem das Publikum nochmals die Gelegenheit zum Mitsingen und -klatschen nutzte. Ein intensiver und vielversprechender Auftakt in den Prisma-Herbst!

Veröffentlicht unter Bands und Musiker, Konzerte | Kommentar hinterlassen

Werden Sie Mitglied im Folkclub Prisma e. V.

quote-folk-music-is-the-original-melody-of-man-it-is-the-musical-mirror-of-the-world-friedrich-nietzsche-112-41-02Der Folkclub PRISMA e. V. Pforzheim ist nicht irgendwer. Wir sind 42 Jahre alt und damit der wohl älteste noch bestehende, rein ehrenamtlich arbeitende Folkclub in Deutschland.

Unser Fortbestand ist bedroht!
Auf unseren Bühnen haben fast alle gespielt, die heute zu den Folk-Urgesteinen in Deutschland und der Welt zählen. Heute spielen bei uns Bands und Musiker, die bereits einen Namen haben oder kurz davor sind, durchzustarten. Wir fördern Nachwuchs und regionale Folkszene durch Auftrittsmöglichkeiten, durch gemeinsames Singen und Spielen, regelmäßige Sessions, offene Bühnen, Instrumentalkurse und mehr. Hierfür engagieren wir uns auch im Kulturrat der Stadt Pforzheim und im Stadtjugendring, sind Mitglied der LAKS und werden gefördert durch die Stadt Pforzheim, den Enzkreis und das Land Baden-Württemberg.

So schön wie diese Förderung in guten Tagen ist, in schlechten Tagen spürt man die Abhängigkeit schmerzlich. In den letzten 16 Jahren haben sich die Zuschüsse für unser hochwertiges Programm halbiert. Dank unserer Mitglieder und unserer Gäste haben wir immer einen Weg gefunden, weiterzumachen. Meistens durch große Einschnitte im Programm, Knausern bei den Gagen, noch mehr Engagement und ab und zu einer Spende. Die aktuelle neuerliche Kürzungsrunde bedeutet eine weitere Halbierung unseres Zuschusses!

Unterstützen Sie uns mit Ihrer Mitgliedschaft
Sie lieben Folkmusik? Sie wollen mit Gleichgesinnten Ihr Hobby ausüben? Sie suchen Leute, die Ihrem erlesenen Minderheiten-Musikgeschmack eine Heimat bieten? Sie lieben die intime Konzertatmosphäre in unserem Club? Sie finden uns toll und würden uns gerne unterstützen? Dann werden Sie doch einfach Mitglied im Folkclub Prisma!

Möglichkeit 1: Unbefristete Vollmitgliedschaft
Für jährlich 70,– Euro (Einzelpersonen), 105,– Euro (Paare und Familien), 35,– (Schüler, Studenten) haben Sie ermäßigten Eintritt (nur 3,– statt 12,–!) zu unseren Konzerten und wir halten Sie mit unseren Newslettern auf dem Laufenden. Sie haben die Möglichkeit, bei unseren musikalischen ehrenamtlichen Aktionen in Pforzheim und Enzkreis mitzumachen und damit auch eine Plattform für Ihre musikalischen Ambitionen. Dabei sind Sie natürlich tolerant und offen für viele musikalische Stilrichtungen und teilen unsere Freude daran, dass Musik international und verbindend über alle Kulturen ist.

Möglichkeit 2: Jahresmitgliedschaft – auch eine tolle Geschenkidee
Alternativ können Sie uns mit einer auf ein Jahr befristeten Mitgliedschaft unterstützen. Sie genießen alle Vorteile unserer Vollmitglieder und verzichten lediglich auf ein Stimmrecht in der Mitgliederversammlung. Die Jahresmitgliedschaft kostet genauso viel wie eine Vollmitgliedschaft, erlischt aber nach einem Jahr automatisch. Damit ist sie eine ideale Möglichkeit, Freunde und Familienmitglieder auf den Geschmack zu bringen: Grammy-Gewinner und Folklegenden für gerade mal 3,- Euro Eintritt – wo gibt es das sonst?

Sprechen Sie uns an, wir freuen uns auf Sie. Am einfachsten geht’s per E-Mail an vorstand@folkclub-prisma.de . Spread the word!

Ihr Folkclub Prisma e.V. Pforzheim

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

17. Mai 2016: Ron Snippe Duo

DSC04509Mucksmäuschenstill war es meist, während Ronnie Snippe mit sanfter Stimme seine Lieder vom Leben und von ungewöhnlichen Bekanntschaften vortrug und sein Kompagnon Peter Dusseljee dazu gekonnt seine Westerngitarre, Jazzgitarre oder Strat zupfte. Dafür fiel der Applaus des Publikums zwischen den einzelnen Nummern umso lautstarker aus.

Songs aus eigener Feder machten den Großteil des Abends aus, gelegentlich unterbrochen von starken Coverversionen wie „Ain’t no Sunshine“, „Locomotive Breath“ oder – für den Schreiber dieser Zeilen das Highlight des Abends – der Jackson Brown-Nummer „Crow on the cradle“. Mehr zum Konzert wusste der Pforzheimer Kurier zu berichten:PK Ron Snippe_PeterDusseljee 17.05.2016

Veröffentlicht unter Bands und Musiker, Konzerte | Kommentar hinterlassen

3. Mai 2016: Sittmann & Pohlmann

DSC04492

Die legendären Liedermacherfestivals auf der Burg Waldeck im Hunsrück dürften nur noch einigen Älteren unter uns aus eigener Erfahrung bekannt sein. Eine gute Idee deshalb, jene Liedermacher und Chansonniers mit einem Programm zu würdigen, die ausgehend von dort in den 1960er und 1970er Jahren eine neue deutsche Musik und Haltung jenseits von Schlagerseligkeit und Nachkriegsmief etablierten – zum Teil unter recht skurrilen Begleitumständen.

Die beiden profilierten Liedermacher Andreas Sittmann und Manfred Pohlmann präsentierten im sehr gut besuchten Gasometer quasi ein „Best of“ deutschsprachiger Liederpoesie und mischten dazu einige Eigenkompositionen, die sich nahtlos einfügten in Klassiker von Hannes Wader, Reinhard Mey, Franz-Josef Degenhardt, Ulrich Roski und anderen.

Im Verlauf des Abends stand Engagiertes und Politisches wie „Es ist an der Zeit“, „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ und dem von Hein & Oss popularisierten „Trotz alledem“ neben Humorigem wie „Dein Auge ist wie ein Klo“, „I’m a lonesome rider“ und Gefühlvollem wie „Ich wollt wie Orpheus singen“ oder „Liebe“. Einen Teil des Abends widmeten die beiden Musiker Vertonungen deutscher Poesie aus der Epoche der Romantik. Sehr bewegend der „Invalid im Irrenhaus“ von Adelbert von Chamisso, anrührend die „Neue Liebe“ von Joseph v. Eichendorff.

Andreas und Manfred ließen sich nicht lumpen und begeisterten das Publikum weit über zwei Stunden mit harmonischen Gesang, einfühlsamen Gitarrenspiel, Hintergrundinformationen zu den Liedern und Geschichten rund um die Szene der Waldeck-Bewegung. Stilgerecht ging mit Hanns Dieter Hüschs „Abendlied“ ein besonderer Abend zu Ende. Einer, der gut unterhielt, aber auch die bisweilen traurig stimmende Erkenntnis lieferte, wie aktuell diese Lieder auch heute noch sind.

Veröffentlicht unter Bands und Musiker, Konzerte | Kommentar hinterlassen

19. April 2016: Ályth McCormack

DSC04482Mucksmäuschenstill war es im voll besetzten Auditorium, als Ályth McCormack mit einem gälisch gesungenen Lied über das „Cape of Gold“ ihr Konzert im Pforzheimer Gasometer eröffnete. Die sympathische Sängerin von der schottischen Isle of Lewis präsentierte gemeinsam mit dem jungen irischen Harfenisten Padraic Collins Lieder und Geschichten rund um das Thema Emigration, aber auch einige traditionelle Liebeslieder, welche, wie üblich, selten ein Happy End bieten konnten.

Mit glockenklarer Stimme interpretierte Ályth beispielsweise Lieder über die Highland Clearances im Schottland des 19. Jahrhunderts oder auch einen Song von der Insel St. Kilda, die 1939 evakuiert wurde, nachdem für die verbliebenen Bewohnern das Leben dort immer beschwerlicher geworden war. Natürlich bekam das Publikum auch Balladen über die großen Auswanderungswellen nach Amerika und Australien zu hören, ebenso wie einige originelle Beispiele der für Schottland so typischen Arbeitslieder, der „Waulking Songs“, die von den Tuchmacherinnen im Takt des Stoffwalkens und -straffens gesungen wurden.
PZ-Korrespondent Robin Daniel Frommer fasst den Abend in seiner Konzertbesprechung so zusammen:_653

Veröffentlicht unter Bands und Musiker, Konzerte | Kommentar hinterlassen

12. April 2016: Buck Wolters

buckblog2

Die technischen Möglichkeiten des Instruments verführen manchen Gitarristen dazu, Spieltechnik über die musikalische Aussage zu stellen. Nicht so Burkhart „Buck“ Wolters, der am vergangenen Dienstag beim Folkclub Prisma in Pforzheim gastierte. Denn obwohl Buck eine ganz spezielle Technik entwickelt hat, mit der er auf seiner Karbonfaser-Konzertgitarre Melodie, Akkorde, Bass und Percussion gleichzeitig formt, steht bei ihm immer die Musik im Vordergrund.

Traditionell beginnt Buck seine Konzerte mit einer Improvisation, so auch diesmal. „Im Prisma“, so taufte er seinen Opener, ließ bereits durchscheinen, was folgen sollte: Perlende Arpeggien, präzise Basslinien und ein sanft wippender Groove vermittelten sonniges Feeling, ganz im Kontrast zum Frühlingsgewitter, das sich kurz zuvor über den Gasometer ergossen hatte.

Das Programm „Still my Guitar“ bestand überwiegend aus Rock-, Pop- und Soulklassikern der 1960er und 1970er Jahre, und mancher im Publikum sang leise für sich die Refrainzeilen von Hits wie „Here comes the sun“, „While my guitar gently weeps“, „California draming“, Sitting on the dock of the bay“ oder „I shot the Sheriff“ mit.

Im zweiten Konzertteil verließ Buck die gut ausgeschilderten Pop-Pfade und wagte sich mit Eigenkompositionen wie „Copacabenny“ und „Afroitarra“ auf experimentelleres Terrain. Hierbei kam seine originelle Spieltechnik besonders gut zur Geltung. Mal erzeugte er mit dem Daumen auf der tiefen E-Saite ein sambatypisches Reiben, mal holte er mit Handballen und Fingerspitzen ein ganzes Trommelfeuer aus dem Korpus seines Instruments. Sehr beeindruckend auch, wie er bei „On the sunny side of the street“ mal eben einen souveränen Walking Bass unter den Jazzstandard von Fields/McHugh legte.

Klar, dass das Prisma-Publikum von dem sympathischen Musiker zwei Zugaben forderte. Mit dem Stones-Klassiker „Jumping Jack Flash“ und „Sir Duke“ von Stevie Wonder verabschiedete sich Buck Wolters vom Prisma-Publikum – sicher nicht zum letzten Mal!

Veröffentlicht unter Bands und Musiker, Konzerte | Kommentar hinterlassen

22. März 2016: Carsten Langner

Carsten Langner 1

Obwohl schon oft totgesagt, sind Liedermacher keineswegs eine aussterbende Spezies. In den letzten Jahren hat es vielmehr eine ganze Reihe neuer Künstler geschafft, sich mit klugen deutschen Texten und handgemachter Musik eine solide Fanbasis zu erspielen. Von dieser jüngeren Generation gehören zum Beispiel Gisbert zu Knyphausen oder Dota Kehr zu den Bekanntesten. Aber auch die regionale Szene hat etwa mit den prisma-bekannten Roland Bliesener, Matthias Möhring, Sebastian Niklaus und Christian Schüll Beachtliches zu bieten.

Einer, der sich vorgenommen hat, die Glanzzeiten deutscher Liedermacherei der 1970er-Jahre ins 21. Jahrhundert zu transportieren, ist der 28-jährige Kieler Carsten Langner, der nun erstmals in Pforzheim gastierte. Nicht zum ersten Mal in jüngerer Zeit stand ein Prisma-Konzert unter dem Eindruck terroristischer Ereignisse, und so beschäftigten sich gleich mehrere Lieder und Zwischenansagen Carstens mit der Frage, ob Musiker tatsächlich Antworten auf die Fragen des Lebens geben können. Titel wie „Liedermacher“ und „Keine Wahl“ handelten hiervon.

Carsten Langner 4Zum Glück ging es aber nicht nur bedeutungsschwanger zu. Carsten ließ die Zuhörer mit einfühlsamem Gitarrenspiel und seiner bisweilen frappierend an Reinhard Mey erinnernden Stimme bei „Wieder am Meer“ oder „Sehnsucht nach Mai“ auch träumen. Bei skurillen Geschichten wie „Googlediagnostik“ und „Mein Hund geht heute mit mir Gassi“ spürte man deutlich den Einfluss des unvergessenen Ulrich Roski.

Rund zweieinhalb Stunden entführte Carsten das Prisma-Publikum in seinen Kosmos und präsentierte abwechselnd Ernstes, Beziehungsreiches („Am Ende schließt du ein Fenster und gehst“), Amüsantes („VerkaufsaktionStalkingblues“) und Introspektives („Das alte Spiel“). Klar, dass die Zuhörer erst nach einigen Zugaben der nachdrücklichen Forderung des Künstlers nach CD-Erwerb nachgingen…

Veröffentlicht unter Bands und Musiker, Konzerte | Kommentar hinterlassen